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HTML-Editoren unter Linux

Bis zum Mai 2002 habe ich meine Homepage eigentlich mit zwei Editoren bearbeitet und gepflegt: Zum Einen mit dem beim NortonCommander integrierten Texteditor und zum Anderen mit dem bekannten Freeware-HTML-Editor Phase5² von Ulli Meybohm.
Phase5² habe ich vorallem wegen dem HTML Tidy-Plugin verwendet, so war die Bedienung von selbigem immer sehr einfach und bequem. Einmalig dei Konfigurationsdatei angepasst, und schon hatte ich meine bevorzugte Ausgabe vom überarbeiteten HTML-Code.

Mit dem schrittweisen »Umzug« von Windows (2000) zu Linux (Debian), habe ich mich nach Alternativen zu Phase5² umgeschaut. Mein Augenmerk lag vorallem auf diesen Eigenschaften:

  • Unterstüzung von Syntax-Highlighting
  • Unterstützung von HTML Tidy
  • Freie Software
  • Ausgereift und weit verbreitet

Ob der Editor nun in deutscher oder englischer Sprache daherkam, war mir ziemlich egal. Leider mußte ich feststellen, dass es gar nicht so viel Auswahl bei HTML-Editoren für meine »Suchkritierien« gab. So fiel der mir mehrfach empfohlende Editor Quanta Plus damals aufgrund der fehlenden Tidy-Unterstützung durch. Das »damals« muss ich inzwischen korrigieren: Inzwischen unterstützt Quanta sogar schon mit einem Eintrag im Menü HTML Tidy. Es können sogar unterschiedliche Konfigurationen eingebunden werden – nachdem man die bereits vorhandenen Menüeinträge von Hand etwas modifiziert hat.

Am Ende sind nur zwei Editoren übriggeblieben: Bluefish und VIM.

Auf bluefish und VIM gehe ich jeweils getrennt ein. Natürlich wird es den einen oder anderen geben, der (wie ich) Phase5² unter Linux via wine zum Laufen gebracht hat. Die Installation funktioniert zwar nicht, aber wenn man sich das Verzeichnis einer lauffähigen Installation auf seinen Linuxrechner zieht – dann geht das auch so. Nur ist das wohl eher als Notlösung für Leute zu betrachten, die sich unter Linux von ein paar Windows-Tools nicht trennen wollen. Das war's dann aber auch schon.

Nun aber zu den beiden Editoren, bei welchen ich »gelandet« bin. Der Übersicht halber teile ich zunächst die beiden Browser auf, fasse aber dann am Ende alles zusammen.

bluefish

Den Anfang macht – einfach nur mal der alphabetischen Sortierung wegen – bluefish. Der Editor hat einen gewaltigen Funktionsumfang, den ich selbst nicht mal ausschöpfe. Wer sich bei Phase5² heimisch gefühlt hat, wird mit bluefish sicherlich unter Linux seinen neuen HTML-Editor finden.

bluefish lief bei mir stabil, ich habe ihn in der Version pre0.7 zur Erstellung dieser Seite mitverwendet. Wie man auf dem Screenshot sehen kann, spricht bluefish (außer Englisch) auch Deutsch. Somit fallen eventuell vorhandene sprachliche Barrieren nicht ins Gewicht.

Es gibt eine Projektverwaltung und etliche Assistenten, welche ich bei anderen HTML-Editoren erst gar nicht entdecken konnte. CSS, JavaScript, WML und Metatags sowie HTML-»Spezialfälle« wie Frames, Tabellen und Forumlare lassen sich mit eben diesen Assistenten schnell und einfach erstellen bzw. editieren.

Auch ein Metatag-Assistent ist vorhanden, allerdings ohne besondere Anleitung. Man muß also wissen, wie man nun welchen Tag anzugeben hat. Erwähnenswert sind auch noch die Referenzen zu PHP, PHP4, SSI und XML. Sie alle schnell und einfach über das Menü zu erreichen.

Es ist schon ziemlich lange her, dass ich Zeilen verfasst hatte. Noch kurz ein Screenshot von der pre0.7er Version, dann geht's mit der 0.13er Version weiter.

Einfach jeweils auf den verkleinerten Screenshot klicken, um ihn in Originalgröße zu erhalten.

Die 0.13er Version von bluefish (Aktuell Ende 2004) sieht da schon deutlich einladender aus:

Nach einer etwa 4 Monate lange dauernden Phase mit Quanta+ als HTML-Editor unter Linux bin ich (wieder) bei bluefish gelandet und habe mit ihm beispielsweise die komplette Überarbeitung der Seiten zur Designänderung 2005 vorgenommen.

Das Einbinden von unterschiedlichen Tidy-Profilen war dabei sehr hilfreich. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.

bluefish und Tidy

bluefish führt Tidy unter dem Menüpunkt »Extern« auf. Weitere Angaben sind möglich, ich habe beispielsweise unterschiedliche Profile für Tidy eingebunden. Standardmäßig ist die Ausgabe in der Tidy-Konfigurationsdatei /etc/tidy.conf anzugeben.

Zunächst hatte ich einfach meine alte für Phase5² verwendete Konfiguration in mein Linuxsystem übernommen und damit gearbietet. Später habe ich die Konfiguration meinen Wünschen entsprechend angepasst und sie von Hand unter Zuhilfenahme der Informationen auf der Tidy-Homepage verfeinert.

Man braucht Tidy normalerweise nicht extra einbinden, das ist schon erledigt. Man muß aber auf die Fehlermeldungen bzw. die Ausgaben von Tidy während bzw. nach der Laufzeit verzichten – mal abgesehen vom zurückgegebenen HTML-Code.

VIM

VIM (Vi IMproved) ist eigentlich kein HTML-Editor, sondern ein klassischer Text-Editor. Da bluefish ein Programm ist, welches ausschließlich unter X läuft, habe ich mir für den gVIM als »Gegner« entschieden. Der normale VIM läuft an der Konsole und ist weniger bunt (und deutlich weniger »klick«) als gVIM.

Ich sehe den gVIM allerdings nicht wirklich als Gegner zum bluefish, für mich ist er die ideale Ergänzung und bietet mir das, was ich beim bluefish vermisse.

Wer unter Linux unterwegs war, ist bestimmt schon mit dem VI bzw. VIM in Kontakt gekommen. Ob das nun postitiv oder negativ ausgegangen ist steht auf einem anderen Blatt. Wer sich zunächst von dem ungewohnten Bedienablauf abschrecken läßt, sollte dem VIM dennoch weitere Chancen einräumen. Gerade mit dem gVIM läßt sich die Bedienung meiner Meinung nach leicht erlernen, schließlich kann man ja auch mit der Maus agieren. Wer sich die Zeit nimmt, die wichtigsten Shortcuts auswendig zu lernen, sollte bereits nach wenigen Tagen komplett auf die Maus verzichten können. Wer (wie ich) ohnehin lieber mit der Tastatur hantiert – auf geht's, VIM installieren.

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema, nämlich HTML und Editoren. Dank Syntaxhighlighting wird das Arbeiten mit HTML-Dokumenten aber sehr, sehr einfach und übersichtlich. Vorallem das direkte Interpretieren von HTML-Tags während dem Editierens hat mir sehr zugesagt. So werden Tags wie <b> sofort interpretiert und die folgenden Zeichen im Fettdruck dargestellt. Nie wieder nicht, oder zu spät geschlossene <b>-Tags.

VIM und Tidy

Wer mit Tidy gearbeitet hat weiß sicherlich, dass die Fehlermeldungen von Tidy sich immer auf die Zeilen der Vorlage und nicht der von Tidy generierten Ausgabe beziehen. Hier greifen die sogenannten Quickfix-Kommandos vom VIM: Man läßt Tidy mittels :compiler tidy und :make laufen. Anschließend springt man einfach von Fehler zu Fehler, in dem man als Befehl :cn eingibt. :cn springt immer zum nächsten Fehler in der Liste.

Mit dem Befehl cc:, gefolgt von einer Nummer, springt man zum Fehler mit der jeweiligen Nummer.

Gibt man :cw ein, so öffnet sich ein weiteres Fenster mit der Liste der gefundenen Fehler.

Da man – davon gehe ich einfach mal aus – die Fehlermeldungen von Tidy manuell bearbeiten will, braucht man nicht mehr lange herumzusuchen. VIM nimmt einem den Weg zum nächsten Fehler ab.

Der Haken an dieser Methode: Es wird nur mit Tidy getestet, eine korrigierte HTML-Datei wird nicht ausgegeben. Allerdings ist genau dies ja das Ziel.

Thorsten Vitt hat mit freundlicherweise auf meine E-Mail-Anfrage eine Lösung für dieses Problem kurz beschrieben. Diese »Unterweisung« führe ich nun etwas ausfühlicher aus:

Zunächst muß man den Wert von shellredir verändern:

:setlocal shellredir=>%s

Beim eigentlichen Wert, >%s 2>&1 fügt VIM die (Fehler)Meldungen von Tidy ebenfalls in die Datei ein. >2 schreibt lediglich den korrigierten HTML-Code zurück.

Nach dem Ändern von shellredir muß Tidy aufgerufen werden. Dies geschieht mit dem Befehl

:%!tidy

Als Ausgabe erhält man den von Tidy korrigierten HTML-Code zurück.

Da dies etwas umständlich ist, und man es sicherlich bequemer haben möchte, hat Thorsten Vitt auf seiner VIM und Tidy-Page ein kleines Script zum Download bereitgestellt. Einfach auf den Link klicken, etwas herunterscrollen und den Anweisungen zum Script folgen.

Nur kurz als Vorgeschmack: Nachdem man das Script in das richtige Verzeichnis kopiert hat (entweder im ~/ oder unter /usr/share/vim/), genügt der Aufruf

:Tidy

und schon hat man die korrigierte HTML-Syntax im VIM stehen.

Fazit

Nach einer ganzen Weile mit VIM als HTML-Editor (mit all seinen Einschränkungen, es ist eben doch "nur" ein Texteditor) bin ich wieder zurück zu einem richtigen HTML-Editor.

Quanta+ hatte gute Eigenschaften und ich bin damit relativ gut zurechtgekommen, aber bluefish liegt mir einfach »besser in der Hand«. Das ganze in Verbindung mit HTML Tidy, besser geht's nicht – finde ich jedenfalls.

Inzwischen kann natürlich – wie bereits oben eingefügt – Quanta auch mit HTML Tidy umgehen, ich bin dennoch bei Bluefish geblieben.


 
 
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